Dynamische Stromtarife in Österreich 2026: Anbieter im Vergleich
Von Dr. Wolfgang Gassler

Bei einem dynamischen Stromtarif zahlst du für jede Stunde oder Viertelstunde den Börsenpreis plus einen festen Aufschlag. In Österreich bieten das inzwischen viele Lieferanten an. Die Unterschiede liegen im Aufschlag, in der Grundgebühr und darin, ob stündlich oder viertelstündlich abgerechnet wird.
Kurz gesagt
Die Anbieterkosten liegen zwischen 67 € und 155 € pro Jahr (3.000 kWh, zusätzlich zum Börsenpreis). Ein dynamischer Tarif lohnt sich, wenn du Verbrauch in günstige Stunden verschieben kannst, zum Beispiel den Boiler: In den letzten zwölf Monaten kosteten die drei günstigsten Stunden eines Tages im Schnitt 6,4 statt 12,7 ct/kWh. Ohne Steuerung trägst du vor allem das Preisrisiko.
📖 Inhaltsverzeichnis
Was ist ein dynamischer Stromtarif?
Der Energiepreis folgt dem Day-Ahead-Börsenpreis für Österreich (EPEX Spot AT, bei der Salzburg AG die EXAA). Die Preise für den nächsten Tag stehen jeden Mittag fest, die meisten Anbieter veröffentlichen sie ab 14 Uhr. Seit Oktober 2025 wird der Day-Ahead-Markt in Viertelstunden gehandelt. Manche Tarife rechnen diese Viertelstundenpreise direkt ab, andere mitteln sie zu Stundenpreisen. Wie sich die Börsenpreise entwickeln, zeigen unsere aktuellen Spotpreise und die monatliche Statistik.
Netzentgelte, Abgaben und Steuern kommen wie bei jedem anderen Tarif dazu. Sie hängen vom Netzbetreiber ab, nicht vom Lieferanten.
Dynamische Stromtarife in Österreich im Vergleich
Alle Preise brutto inkl. 20 % USt., laut Tarifblättern der Anbieter (Stand: 29. Oktober 2026). Die letzte Spalte zeigt, was der Tarif zusätzlich zum Börsenpreis kostet, bei 3.000 kWh im Jahr.
| Anbieter & Tarif | Grundgebühr | Aufschlag | Raster | Erhältlich | Kosten / Jahr* |
|---|---|---|---|---|---|
| TIWAG flex privat | 24,00 €/Jahr | 1,44 ct/kWh | 15 Min. | nur Tirol | 67 € |
| IKB flex | 24,00 €/Jahr | 1,44 ct/kWh | 15 Min. | nur IKB-Netzgebiet | 67 € |
| smartENERGY smartCONTROL | 2,99 €/Monat | 1,44 ct/kWh | 1 Std. | ganz Österreich | 79 € |
| VKW Strom Dynamisch | 43,20 €/Jahr | 1,44 ct/kWh | 15 Min. | nur Vorarlberg | 86 € |
| aWATTar HOURLY | 5,75 €/Monat | 1,80 ct/kWh | 1 Std. | ganz Österreich | 123 € |
| Salzburg AG Strom FlexSpot | 60,00 €/Jahr | 2,16 ct/kWh + 3 %¹ | 1 Std. (EXAA) | beim Anbieter prüfen | ≈ 138 € |
| Energie AG Ökostrom Spot | 5,40 €/Monat | 3,00 ct/kWh | 15 Min. | beim Anbieter prüfen | 155 € |
* Anbieterkosten = Grundgebühr × 12 + Aufschlag × 3.000 kWh, ohne Börsenpreis, Netzentgelte und Abgaben. ¹ Plus 3 % des Börsenpreises (vom Betrag, auch bei negativen Preisen); der Börsenpreis ist bei 60 ct/kWh netto gedeckelt. Gerechnet mit dem Durchschnittspreis der letzten zwölf Monate.
Auch VERBUND, Tibber, Wien Energie, oekostrom und weitere Lieferanten bieten Spot-Tarife an. Deren aktuelle Konditionen findest du beim Anbieter oder im Tarifkalkulator der E-Control.
Was den Unterschied macht: Bei 3.000 kWh entspricht 1 ct/kWh Aufschlag 30 € im Jahr. Die Grundgebühr wiegt bei kleinem Verbrauch schwerer. Wichtiger als der Anbieter ist aber, wann du Strom verbrauchst. Das zeigt das Rechenbeispiel.
Den Boiler automatisch in den günstigsten Stunden heizen: geht-e macht deinen bestehenden Boiler fit für den dynamischen Tarif.
So funktioniert geht-eRechenbeispiel: Boiler mit und ohne Steuerung
Ein Elektroboiler braucht in einem Haushalt mit 2–3 Personen rund 2.000 kWh im Jahr, etwa 5,5 kWh am Tag. Mit einem 2-kW-Heizstab ist er damit in knapp drei Stunden aufgeheizt. Wir haben die stündlichen Börsenpreise (EPEX Spot AT, Day-Ahead) vom 28. Oktober 2025 bis 27. Oktober 2026 ausgewertet:
| Der Boiler heizt … | Ø Börsenpreis netto | Energie für 2.000 kWh inkl. USt. |
|---|---|---|
| zu typischen Zeiten (6–9 und 18–22 Uhr) | 15,93 ct/kWh | 382 € |
| gleichmäßig über den Tag verteilt | 12,71 ct/kWh | 305 € |
| in den 3 günstigsten Stunden jedes Tages | 6,37 ct/kWh | 153 € |
Nur Börsenpreis plus 20 % USt.; Aufschlag, Grundgebühr und Netzentgelte sind in allen drei Fällen gleich und daher nicht enthalten.
🧮Ergebnis
Mit Steuerung kostet die Energie für den Boiler rund 150 € weniger als bei gleichmäßigem Heizen und rund 230 € weniger als beim Heizen zu den typischen Verbrauchszeiten. Ohne Steuerung bringt der dynamische Tarif dem Boiler dagegen nichts: Er heizt dann, wenn Strom ohnehin teuer ist.
Fixpreis oder dynamisch?
Die Börsenpreise schwanken über das Jahr stark. Im April 2026 lag der Monatsschnitt bei 8,7 ct/kWh netto, im Oktober 2026 (bis zum 27.) bei rund 21 ct/kWh. Ein günstiger Fixpreis- oder Zwei-Zonen-Tarif kann deshalb über das Jahr gerechnet billiger sein, vor allem wenn du wenig verschieben kannst. Für Tirol haben wir das mit einem realen Lastprofil nachgerechnet: Fixpreis oder Spotmarkt in Tirol.
Die Faustregel: Je mehr deines Verbrauchs flexibel ist (Boiler, E-Auto, Wärmepumpe mit Speicher, Batterie), desto eher lohnt sich dynamisch. Ist fast alles fix (Kochen, Licht, Geräte am Abend), ist ein guter Fixpreis meist die ruhigere Wahl.
Für wen sich ein dynamischer Tarif lohnt und für wen nicht
Lohnt sich eher
- ✓ Boiler, E-Auto oder Batterie lassen sich automatisch in günstige Stunden legen
- ✓ Du hast einen Smart Meter mit Viertelstundenwerten
- ✓ Schwankende Monatsrechnungen sind für dich kein Problem
Lohnt sich eher nicht
- ✗ Dein Verbrauch fällt vor allem morgens und abends an
- ✗ Du willst einen fixen Preis für die nächsten Monate
- ✗ Du hast keinen Smart Meter oder kein Opt-in
Voraussetzungen: Smart Meter und Opt-in
Für einen dynamischen Tarif braucht der Lieferant deine Verbrauchswerte pro Viertelstunde. Dafür muss dein Smart Meter auf Viertelstundenwerte (Opt-in, „IME“) eingestellt sein. Das beantragst du beim Netzbetreiber, meist im Kundenportal. Wie das geht, steht in unserem Artikel zum SNAP-Opt-in. Die meisten Tarife im Vergleich haben keine Vertragsbindung.
Negative Strompreise
Wenn viel Sonnen- und Windstrom auf wenig Nachfrage trifft, fällt der Börsenpreis unter null. In den zwölf Monaten bis Ende Oktober 2026 war das in Österreich in 253 Stunden der Fall, vor allem an sonnigen Wochenenden von April bis Juni. Dynamische Tarife geben negative Preise weiter. Unterm Strich wird dein Arbeitspreis aber selten negativ, weil Aufschlag, Netzentgelte und Abgaben dazukommen.
Fazit
Die Anbieter unterscheiden sich um bis zu 90 € im Jahr. Der größere Hebel ist die Steuerung: Ein Boiler, der automatisch in den günstigsten Stunden heizt, spart auf Basis der letzten zwölf Monate rund 150 € pro Jahr. Wer nichts verschieben kann, ist mit einem günstigen Fix- oder Zwei-Zonen-Tarif oft besser bedient.
Weiterführende Informationen
Preise, Tarife und Hintergründe:
Boiler automatisch zur günstigsten Stunde heizen
Mehr erfahrenGeschrieben von Dr. Wolfgang Gassler, Gründer von geht-e, Spezialist für skalierbare Datenplattformen.
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